Erb- und Risikofaktoren

In der Bundesrepublik Deutschland erkranken jährlich über 70000 Menschen an Darmkrebs.

In etwa 5 Prozent der Fälle entsteht dieser aufgrund einer bestimmten genetischen (erblichen) Disposition (hereditäre kolorektale Karzinome).

Die beiden wesentlichen erblichen Formen, die klinisch und molekulargenetisch unterschieden werden, sind die sogenannten Polyposis-Syndrome und das Lynch-Syndrom.

Bei Patienten mit Polyposis-Syndrom treten eine große Anzahl von Schleimhautwucherungen (Polypen) auf.

Die familiäre adenomatöse Polyposis (FAP) ist gekennzeichnet durch das Vorhandensein von mehr als 100 Adenomen (primär gutartige Schleimhautwucherung), wobei die Polypenbildung in der zweiten Lebensdekade beginnt. Dabei treten die Adenome nicht nur im Dickdarm auf, sondern können auch im Dünndarm und im Magen vorkommen.

Aufgrund der Vielzahl der Adenome beträgt das Krebsrisiko im Dickdarm nahezu 100 Prozent. Treten weniger als 100 Adenome auf, so liegt eine attenuierte oder abgeschwächte Form (attenuierte familiäre adenomatöse Polyposis = AAPC) vor.

Beim Lynch-Syndrom handelt es sich um einen erblichen Darmkrebs, der ohne begleitende Darmpolypen auftritt und deshalb auch als HNPCC (hereditäres nicht polypöses kolorektales Karzinom) bezeichnet wird.

Neben dem Dickdarmkrebs treten auch bösartige Tumoren des Endometriums, des Harnleiters und des Nierenbeckens sowie des Magens und Dünndarms auf. Der Dickdarmkrebs in dieser Gruppe tritt im Mittel im 44. Lebensjahr auf. Das allgemeine Tumorrisiko bei HNPCC-Anlageträgern wird mit 80 - 90 % angegeben.

Zu den Risikogruppen mit erhöhtem Risiko, ebenfalls an einem Dick- und Enddarmkrebs zu erkranken, gehören Verwandte ersten Grades von Patienten mit kolorektalem Karzinom.

Auch Patienten mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung haben ein erhöhtes Risiko. Bei der Colitis ulcerosa ist dieses Risiko abhängig von der Ausdehnung und der Dauer der Erkrankung. So beträgt das Krebsrisiko bei einer Erkrankungsdauer von 20 Jahren 9 Prozent und von 30 Jahren 18 Prozent.

Der Morbus Crohn hat ebenfalls ein erhöhtes Krebsrisiko, das jedoch deutlich geringer scheint als bei der Colitis ulcerosa. 

Bei Fragen zu den aufgeführten Erkrankungen kann Ihnen Ihr Hausarzt oder niedergelassener Gastroenterolge weiterhelfen.