Der bewegte Werdegang der Paderborner Hebammenschule

Hebamme, ein Beruf mit Geschichte

Der Beruf der Hebamme ist einer der ältesten überhaupt. Das alte Testament enthält an mehreren Stellen Aufzeichnungen zur Geburtshilfe bei den Hebräern, die bis in das 10. Jahrhundert v. Chr. zurück reichen. Im antiken Griechenland etwa 800 bis 500 v. Chr. hatten die Hebammen ein großes Wissensrepertoire, wodurch sie sehr angesehen waren. Das Hebammenwesen der alten Griechen wird in einer Schrift des Philosophen Platon (Zeitgenosse des Hippokrates), dessen Lehrer Sokrates, Sohn einer Hebamme, näher beschrieben. Hebammen berieten Frauen während der Schwangerschaft, leisteten Hilfe bei der Geburt und besaßen außerdem Wissen über wehenanregende und wehenhemmende Medikamente. Sie galten als Heiratsvermittlerinnen, da man ihnen die Fähigkeit zusprach, die richtigen Paare zusammenzubringen, um gesunde Nachkommen zu bekommen. Zum Verhängnis wurden den Hebammen die Kenntnisse zu Schwangerschaft, Geburt, Verhütung und heilenden Arzneien im Mittelalter. Während der Inquisition wurden nicht selten auch Hebammen der Hexerei (Kräuterhexen) beschuldigt.

Historie der Paderborner Hebammenschule

Die Hebammenausbildung in Paderborn ist seit 1779 urkundlich belegt.
Sie beginnt mit einer für das Hochstift von Fürstbischof Wilhelm Anton von der Asseburg und dem Hofmedikus Dr. Jaqueretz ins Leben gerufenen Initiative den „armen Kindbetterinnen“ in der Stunde des Gebärens und des Wochenbetts beizustehen. Die fürstbischöflichen Bemühungen führten zu Anstellung des Hofmedikus Dr. Jaqueretz und dem Beginn einer geregelten, institutionalisierten Hebammenausbildung in Paderborn. Mit der Fürstbischöflichen Verordnung vom 18. Oktober 1786 wird erneut mit Nachdruck auf das Paderborner Hebammeninstitut verwiesen und bestimmt, dass nur die dort unterrichteten und von Hofmedikus und Lehrer der Geburtshilfe Dr. Jacqueretz für fähig befundenen Hebammen in Zukunft geduldet werden. Des Weiteren wird jede Gemeinde angewiesen, eine examinierte Hebamme anzustellen.

Wo das Hebammeninstitut sich befand, geht aus dem Dokument nicht hervor. Spätere Aufzeichnungen weisen darauf hin, dass das Hebammeninstitut im alten Kapuzinessenkloster, heute Landeshospital, an dem auch die Barmherzigen Schwestern vom heiligen St. Vincenz von Paul (1841) ihre erste Bleibe und Wirkungsstätte in Paderborn fanden, untergebracht war.

Am 12. Oktober 1833 kommt es lt. Verordnung und Bekanntmachung der königlichen Regierung zu Minden zu Vereinigung der Entbindungsanstalt mit der Paderborner Krankenanstalt. Noch im gleichen Jahr erfolgt auf Anregung des westfälischen Oberpräsidenten Freiherr von Vincke, ein Zusammenschluss der Hebammeninstitute Westfalens. Laut Kabinettsorder vom 11. November werden die Institute in Bielefeld, Meschede und Minden wegen unzureichender Geburtenzahl geschlossen. Die Lehranstalt in Paderborn wird zum „Königlichen Provinzial-Entbindungs- und Hebammenlehrinstitut“ ernannt und durch die Rationalisierungsmaßnahme finanziell besser unterstützt. Ab 1839 war das Paderborner Hebammenlehrinstitut, nach Schließung der Einrichtung in Münster, für die Hebammenausbildung der ganzen Provinz Westfalen zuständig.

1850 wird die Hebammenlehranstalt und die Entbindungsanstalt in ein Gebäude am kleinen Domplatz, dem früheren Bocholtz`schen Hof, verlegt. Die Krankenanstalt verbleibt im Kapuzinessenkloster.

Zum 1. Januar 1876 geht die Entbindungsanstalt und Hebammenlehranstalt in den Besitz des Provinzialverbandes von Westfalen über.
1894 wird wegen Platzmangel ein neues Gebäude für die Frauenklinik und Hebammenlehranstalt am Busdorf fertig gestellt, heute das Gelände der Westfälischen Landesklinik. Steigende Geburtenzahlen und neue medizinische Erkenntnisse führten in den nachfolgenden Jahren zu Verlängerung der Hebammenausbildung und immer größeren baulichen Erweiterungen der Entbindungsanstalt.

Im zweiten Weltkrieg wird in der Landesfrauenklinik die Versorgung der Frauen und die Ausbildung von Hebammen aufrechterhalten. Trotz schwerer Luftangriffe auf Paderborn bleibt die Landesfrauenklinik vor größeren Kriegsschäden bewahrt.
1958 beschließt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe einen Gesamtneubau an der Husener Straße 81. Nach vierjähriger Bauzeit zieht die Frauenklinik und Hebammenschule im Dezember 1962 in die neue Landesfrauenklinik um.

Nach 133 Jahren, 1983, übernimmt das St. Vincenz-Krankenhaus Paderborn die Landesfrauenklinik und führt umfangreiche Umbau- und Renovierungsmaßnahmen der Frauenklinik durch, so dass 1989 die St. Vincenz Kinderklinik und Kinderkrankenpflegeschule mit in die neuen Gebäude an der Husener Straße einziehen.

1995 beschließt die Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vincenz von Paul einen Um- und Neubau der Hebammenschule und schafft damit optimale Bedingungen für die theoretische und praktische Ausbildung von Hebammen.

Seit der Gründung der Hebammenschule werden bei uns ohne Unterbrechung Frauen zu Hebammen ausgebildet. Seit 1876 werden alle Studiengänge fortlaufend nummeriert und alle Absolventinnen registriert. Somit wurden bis zum Jahr 2008 an der Hebammenschule Paderborn 250 Hebammenlehrgänge, d.h. 5 756 Hebammen in Theorie und Praxis ausgebildet. Mehr als 4 000 Hebammen haben an Fachfortbildungen der Hebammenschule teilgenommen.

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