Jedem einzelnen Patienten die Sorgen und Nöte nehmen

Vier Fragen an Prof. Dr. Andreas Götte, Chefarzt der Medizinischen Klinik II, Kardiologie und Internistische Intensivmedizin:

1. Warum arbeitet ein weltweit gefragter Kardiologe wie Sie in Paderborn und nicht in München, Hamburg oder Berlin?

Das St. Vincenz-Krankenhaus in Paderborn bietet für mich ein optimales Umfeld, da es hier eine große Kardiologie und Intensivmedizin gibt. Außerdem habe ich hier die Möglichkeit aktiv an der Gestaltung der Klinik mitzuwirken und das Spektrum zu erweitern. Dies ist an anderen Orten weniger gegeben. Paderborn ist eine nette Stadt mit einer hohen Lebensqualität für mich und die ganze Familie, in der es auch gute Schulen gibt.

2. Wie schaffen Sie es, bei dem hohen Patientenaufkommen in Ihrer Abteilung trotzdem jedem einzelnen Patienten mit seinen Ängsten und Sorgen gerecht zu werden?

Jedem einzelnen Patienten mit seinen Sorgen gerecht zu werden, bedarf einer gezielten Schulung von Mitarbeitern bezüglich Empathie. Eine ständige Präsens von sehr erfahrenen Oberärzten ist deshalb sehr wichtig. So haben Patienten immer einen guten Ansprechpartner an ihrer Seite, der Ängste und Sorgen mildern kann.

3. Was sind es für Momente, in denen Sie sich denken: wie gut, dass ich Arzt/Kardiologe geworden bin? Welche Momente in Ihrem Arbeitsleben empfinden Sie als besonders erfüllend?

Besonders erfüllend finde ich die Verbindung von wissenschaftlichen Erkenntnissen und klinischer Medizin. Es ist immer beglückend, wenn neue Dinge in die Klinik eingeführt werden und somit Patienten behandelt werden können, die zuvor abgewiesen werden mussten. Dies ist die treibende Kraft meines Schaffens.

4. Für Außenstehende scheint Ihr Arbeitspensum (mit den zusätzlichen Auslandsreisen) sehr groß; wie schaffen Sie es trotzdem? Was ist Ihr Rezept gegen negativen Stress?

Arbeit ist zunächst auch mein Hobby. Es ist spannend, wenn wissenschaftliche Erkenntnisse aus meinem Forschungslabor in Magdeburg, das ich seit über 15 Jahren betreibe, in der Klinik Einzug halten. Dinge zu tun oder zu untersuchen, die nachweislich noch kein Mensch vorher getan hat, ist eine riesige Motivation. Ansonsten ist gute Strukturiertheit und hoher Grad an Disziplin eine einfache Lösung, um etliche Dinge geplant und strukturiert zu meistern. Dann ergeben sich viele Dinge von selbst. Aber man darf keine Angst haben, lange Stunden am Tag (und das auch jeden Tag) zu arbeiten.

Die Möglichkeiten der modernen Kommunikation erlauben einem dabei immer besser auf dem Laufenden zu bleiben. Dabei ist es dann unerheblich, ob die Informationen über 10 Meter oder 10.000 km übermittelt werden.