Hebammenausbildung in Paderborn gesichert

FH Bielefeld kooperiert mit St. Vincenz-Campus

Nach langer Zeit der Ungewissheit ist die Zukunft der Hebammenausbildung in OWL nun gesichert: Die Hebammenschule des St. Vincenz-Campus für Gesundheitsfachberufe und die Mindener Hebammenschule werden ab September 2021 verantwortliche Praxiseinrichtungen der Fachhochschule Bielefeld. Die Landesregierung wies insgesamt 45 Studienplätze der „Angewandten Hebammenwissenschaft“ für die Region aus.

„Wir freuen uns sehr über die Nachricht, dass wir mit der FH Bielefeld nun einen Hochschulstandort gefunden haben. 25 der ausgewiesenen Studienplätze wird die St. Vincenz-Krankenhaus GmbH besetzen können – das entspricht der Anzahl unserer bisherigen Ausbildungsplätze. Wir können daher weiterhin auf unsere eigenen top-ausgebildeten Absolventen in den Kreißsälen zählen“, so Jürgen Thau, kaufmännischer Geschäftsführer der St. Vincenz-Krankenhaus GmbH. Allein in den Geburtshilfen der St. Vincenz-GmbH kommen jährlich 3.000 Kinder zu Welt. „Der Bedarf an Hebammen ist in OWL enorm. Mit dem neuen Studiengang in Bielefeld hoffen wir, dass wir auch weiterhin von dem sogenannten „Klebeeffekt“ profitieren können: Vor Ort ausgebildete Hebammen bleiben oft in der Region und fangen den Fachkräftemangel ab“.
Die St. Vincenz-Krankenhaus GmbH wird künftig eine verantwortliche Praxiseinrichtung und zusam-men mit der Hebammenschule ein „Praxiszentrum für Angewandte Hebammenwissenschaft“ bilden. Für die Hebammen von Morgen bedeutet das konkret: Neben der Einschreibung am Hochschulstandort werden die Studierenden für den so wichtigen praktischen Teil des Studiums in der St. Vincenz-Krankenhaus GmbH angestellt sein. Die Einsätze werden in der Geburtshilfe der Frauen- und Kinderklinik St. Louise in Paderborn und des St. Josefs-Krankenhauses Salzkotten durchgeführt. Derzeit wird geprüft, ob zusätzlich Praxiseinheiten im St. Elisabeth-Hospital Gütersloh, dem Klinikum Lippe in Detmold und dem St. Johannisstift Paderborn möglich sein werden.
Lange war unklar, was die anstehende Akademisierung der Hebammenausbildung für die Paderborner Hebammenschule bedeuten würde. Schon vor knapp zwei Jahren entwickelten die Verantwortlichen des St. Vincenz-Campus aus eigener Initiative heraus einen Lehrplan für den praktischen Teil des Studiums, der ab dem nächsten Jahr in die Tat umgesetzt wird. „Unsere frühzeitigen Mühen haben sich gelohnt. Im Rahmen des Studiums werden wir die Praxisanleitung sicherstellen und die Praxiseinsätze koordinieren. Die Einsätze finden hauptsächlich im Kreißsaal, im ambulanten Bereich bei freiberuflichen Hebammen oder auf der Neugeborenen-Station statt“, erklärt Andreas Riekötter, Leiter des St. Vincenz-Campus. Die Ausbildung nach dem traditionellen Muster wird auslaufen. In diesem Jahr hat der letzte reguläre Jahrgang begonnen. „Für uns beginnt nächstes Jahr eine neue Ära. Wir haben jederzeit die Akademisierung des Hebammenberufes befürwortet. Daher freuen wir uns, ein Teil dieser Entwicklung zu sein und aktiv dazu beizutragen, die Hebammenversorgung in unserer Region hochzuhalten“, so Michaela Bremsteller, Leiterin der Hebammenschule.

Hintergrundinfo:
Die Hebammenausbildung wurde im Jahr 1983 nach Überführung der Landesfrauenklinik in die St. Vincenz-Krankenhaus GmbH ebenfalls weitergeführt und somit eine für Paderborn weit über 300 Jahre dauernde Tradition fortgesetzt. Im Jahr 2023 wird dann nach 40-jähriger Geschichte am St. Vincenz-Krankenhaus die letzte Ausbildungsstufe nach altem Hebammengesetz verabschiedet werden.  Die Schule ist die zweitgrößte Hebammenschule in NRW.


Foto: Hebammen während des Unterrichts. Archivbild, St. Vincenz-Campus