Intensive Hilfe für Parkinson-Patienten

St. Vincenz-Krankenhaus bietet neues Therapieprogramm

Die Klinik für Neurologie des St. Vincenz-Krankenhauses bietet als einzige im Raum Paderborn eine neue Therapie an, die speziell auf die Bedürfnisse von Parkinson-Patienten ausgerichtet ist: Bei der sogenannten „Parkinson-Komplexbehandlung“ erfolgt eine 14-tägige, engmaschige Betreuung durch ein multiprofessionelles Team. Ziel ist es, für die Betroffenen die optimale medikamentöse Einstellung zu finden und durch intensive therapeutische Maßnahmen die Eigenständigkeit im Alltag wieder zu erhöhen.

Die Klinik für Neurologie bietet nun die Parkinson-Komplexbehandlung an.

„Morbus Parkinson ist eine Erkrankung des Nervensystems, die zu Zittern und Bewegungsstörungen führt. Parkinson ist nicht heilbar, lässt sich jedoch verlangsamen. Die Lebensqualität lässt sich so über Jahre hinweg auf einem guten Niveau halten“, erklärt Prof. Dr. Thomas Postert, Chefarzt der Klinik für Neurologie. „Nicht jeder Patient hat alle typischen Symptome – die Krankheit verläuft individuell sehr unterschiedlich. Um die optimale Therapie zu finden, braucht es daher Zeit. Wir freuen uns sehr, dass wir unseren Patienten diese besondere Zuwendung im Rahmen unserer neuen Parkinson-Komplexbehandlung nun geben können.“ Die Klinik hat dafür das Fachpersonal aufgestockt: Ärzte, Pflegefachkräfte, Therapeuten und der Sozialdienst tauschen sich gemeinsam aus, erarbeiten individuelle Konzepte und setzen Behandlungsschwerpunkte für die Patienten. Besonders bei der Gabe von neuen Medikamenten sei es wichtig, die Wirkung genau zu beobachten. „Der Vorteil gegenüber einer ambulanten Behandlung ist, dass alle Fachdisziplinen in einem kleinen Kreis ganz nah am Patienten zusammenarbeiten und schnell auf Veränderungen und Nebenwirkungen reagieren können. Neben einer täglichen Visite durch den Chef- oder Oberarzt erhalten die Patienten zusätzlich jeden Tag bis zu zwei Stunden Einzeltherapie“, so Oberärztin Dr. Annette Cicholas. Denn im Rahmen der Komplexbehandlung hat die nicht-medikamentöse Therapie einen ganz besonderen hohen Stellenwert.

„Wir möchten die Patienten dabei unterstützen, möglichst lange aktiv und mobil zu bleiben. Schon nach kurzer Zeit machen sie große Fortschritte, was uns natürlich sehr freut“, fasst das therapeutische Team zusammen. Das Angebot ist breit gefächert: In den physiotherapeutischen Einheiten trainieren die Betroffenen das Gehen, um beispielsweise Stürze zu vermeiden. Die Logopädie unterschützt mit gezielten Sprechtrainings und Schluckdiagnostik, da eine Parkinson-Erkrankung häufig auch die Funktion von Muskeln, die für das Sprechen, Schlucken und Atmen verantwortlich sind, beeinträchtigt. Um das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten bei den Betroffenen zu stärken, üben die Ergotherapeuten alltägliche Dinge wie das Ankleiden oder die Feinmotorik. Dr. Cicholas berichtet: „Die hohe Dichte an Behandlungen erfordert auch ein hohes Engagement der Patienten und kann anstrengend sein. Bislang waren jedoch alle Patienten von dem Therapie-Angebot begeistert.“ So auch Käthe Schäfers, die aufgrund ihrer Parkinson-Erkrankung behandelt wurde. Sie leidet seit fünf Jahren an Parkinson und konnte plötzlich nicht mehr selbstständig laufen: „Ich war froh, dass mir so schnell geholfen wurde. Einige Angebote, wie die Schmerz- und Sprachtherapie kannte ich noch gar nicht. Sie helfen mir sehr und ich war dankbar über die tolle Hilfe“, so die 83-Jährige. Auch ist sie froh, dass sie so in der Nähe ihres Heimatortes Neuenbeken behandelt werden kann. „Die nächst gelegene Klinik für die Parkinson-Komplexbehandlung wäre in Kassel“, weiß Prof. Postert. „Wir wollen auch in Paderborn eine Parkinson-Therapie auf einem top Niveau bieten. In den nächsten Jahren wollen wir bis zu 200 Patienten mit Parkinson bei uns behandeln.“

Bildunterzeile von links:
Prof. Dr. Thomas Postert (Chefarzt der Klinik für Neurologie), Dr. Annette Cicholas (Oberärztin in der Neurologie), Käthe Schäfers (Patientin), Katja Matschke (Ergotherapeutin), Beate Wiedemeier (Physiotherapeutin) und Victoria Zwack (Gesundheits-und Krankenpflegerin). Foto: St. Vincenz-Krankenhaus/Hoppe