Fürsorge und Kompetenz weil Gesundheit Vertrauen braucht!
6. Oktober 2026
EU-Projekt der Kardiologie erfolgreich abgeschlossen: Künstliche Intelligenz eröffnet neue Perspektiven
Nach fünf Jahren internationaler Forschungsarbeit ist das kardiologische Großprojekt MAESTRIA erfolgreich abgeschlossen: Das Projekt setzt wichtige neue Impulse für die Forschung und Behandlung von Vorhofflimmern. Maßgeblich daran beteiligt war Prof. Dr. Andreas Götte, Chefarzt der Medizinischen Klinik II des St. Vincenz-Krankenhauses. Gemeinsam mit 18 renommierten Partnerinstitutionen aus Europa – darunter die Universitäten Harvard, Oxford, Madrid sowie die Sorbonne Universität in Paris – untersuchte er, wie künstliche Intelligenz dazu beitragen kann, Vorhofflimmern und Schlaganfälle frühzeitig zu erkennen.
„Ein derart großes Innovationsprojekt in Verbindung mit künstlicher Intelligenz hat es in dieser Form bislang nicht gegeben. Ziel war es, ein Diagnose-Tool zu entwickeln, das Veränderungen der Herzvorhöfe, eine sogenannte Vorhofkardiomyopathie, frühzeitig erkennen soll. Diese können über lange Zeit unbemerkt bleiben und sich erst durch Vorhofflimmern oder einen Schlaganfall bemerkbar machen“, erklärt Prof. Dr. Götte.
Für die Datensammlung wurden insgesamt 500 Menschen mit Vorhofflimmern in das europäische Forschungsprojekt unter der Leitung der Sorbonne-Universität eingeschlossen. Auch Patientinnen und Patienten des St. Vincenz-Krankenhauses waren seit 2021 beteiligt. Gemeinsam mit den Forschungspartnerinnen und -partnern analysierte Prof. Dr. Götte die Daten, um neue Erkenntnisse über Risikofaktoren und Zusammenhänge zu gewinnen.
Dabei stießen die Forschenden auf einen bislang unbekannten Zusammenhang: „Wir konnten erstmals zeigen, dass Vorhofflimmern mit Veränderungen der Blutgefäße im gesamten Körper einhergeht. Bislang haben wir die Folgen von Vorhofflimmern vor allem aus der Perspektive des Herzens betrachtet“, so der Herzspezialist. Dies könnte auch erklären, warum Patientinnen und Patienten mit Vorhofflimmern ein erhöhtes Risiko für Beeinträchtigungen der Gehirn- und Nierenfunktion haben. „Wir wissen schon lange, dass Vorhofflimmern das Schlaganfallrisiko erhöht. Bisher wurde dies vor allem mit der Bildung von Blutgerinnseln im Herzen erklärt. Unsere Ergebnisse zeigen nun, dass offenbar auch Veränderungen des Gefäßsystems eine Rolle spielen.“
Für die Behandlung ergeben sich daraus neue Perspektiven: „Wenn wir gefährdete Patientinnen und Patienten frühzeitig identifizieren können, haben wir die Möglichkeit, individuelle Risiken besser einzuschätzen und die Therapie gezielter abzustimmen. Die gewonnenen wissenschaftlichen Daten können weitere internationale Studien vorantreiben und langfristig wichtige Impulse für die Behandlung von Vorhofflimmern in Kliniken weltweit geben“, so der Herzspezialist.
Die detaillierten Ergebnisse des Forschungsprojekts wird der Paderborner Chefarzt erstmals auf dem Kongress der Asian Pacific Heart Rhythm Society (APHRS) im Oktober dieses Jahres in Korea vorstellen.
Das MAESTRIA-Projekt
Das sogenannte MAESTRIA-Projekt steht für „Machine Learning and Artificial Intelligence for Early Detection of Stroke and Atrial Fibrillation“, übersetzt: „Maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz zur Früherkennung bei Schlaganfall und Vorhofflimmern“ und wurde von dem Rahmenprogramm „Horizont 2020“ der Europäischen Union für Forschung und Innovation unterstützt – nur gesellschaftlich relevante und innovative Projekte bekommen solch eine Eliteförderung. Das Projekt wurde mit 14 Millionen Euro gefördert.
Bildunterzeile:
von links: Prof. Stéphane Hatem (Sorbonne Universität), Sabine Jürgensmeier (AFNET Münster), Prof. Dr. Andreas Götte (Chefarzt der Medizinischen Klinik II, St. Vincenz-Krankenhaus).
St. Vincenz-Kliniken GmbH Am Busdorf 2 33098 Paderborn Tel.:+49 5251 86 0