Therapie
Die Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen erfolgt individuell und interdisziplinär und richtet sich nach dem jeweiligen Befund sowie den persönlichen Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten.
Je nach Erkrankung und Befund kommen unterschiedliche operative Verfahren der Schilddrüse zum Einsatz. Diese werden durch eine sorgfältige medikamentöse Begleitung ergänzt – sowohl zur Vorbereitung auf den Eingriff als auch zur Stabilisierung des Hormonhaushalts im Anschluss.
Ergänzend erfolgt bei Bedarf eine interdisziplinäre Abstimmung zur optimalen Therapieplanung, um für jede Patientin und jeden Patienten eine sichere und individuell passende Behandlung zu gewährleisten.
Chirurgischer Eingriff
Ob eine Operation notwendig ist und wenn ja, welche, hängt vom Befund ab. Zum Einsatz kommen:
- Entfernung einzelner Knoten (Lobusknoten- oder Isthmusknotenexzision bei isolierten Knoten in diesem Bereich, nur noch in Ausnahmefällen Knotenenukleation)
- Entfernung einer Schilddrüsenhälfte (Hemithyreoidektomie)
- vollständige Entfernung der Schilddrüse (Thyreoidektomie)
Bei bösartigen Erkrankungen ist zwar häufig, aber nicht immer, die vollständige Entfernung der Schilddrüse erforderlich. Die neuen Empfehlungen der internationalen wissenschaftlichen Literatur und der Leitlinie finden hier Anwendung und werden vor einer definitiven Entscheidung eingehend besprochen. In einzelnen Fällen werden zusätzlich betroffene Lymphknoten entfernt.
Der operative Zugang erfolgt über einen kleinen Hautschnitt am Hals. Drainageschläuche, wie sie früher häufiger verwendet wurden, sind heute nur noch in Ausnahmefällen notwendig, sodass auch das für Patientinnen und Patienten oft unangenehme Entfernen entfällt.
Intraoperatives Neuromonitoring und Schonung der Nebenschilddrüsen
Ein besonderer Schwerpunkt unserer Arbeit liegt auf der Patientensicherheit und der konsequenten Minimierung operativer Risiken. Daher führen wir Schilddrüsenoperationen – sofern es die individuelle Anatomie und die Größe der Schilddrüse erlauben – standardmäßig unter kontinuierlichem intraoperativem Neuromonitoring des Stimmbandnervs (N. recurrens) durch. Während der gesamten Operation wird die Nervenfunktion dabei kontinuierlich visuell und akustisch überwacht, um mögliche Beeinträchtigungen frühzeitig zu erkennen und das Risiko einer Schädigung bestmöglich zu vermeiden.
Dank dieses Vorgehens erreicht unser Schilddrüsenzentrum eine sehr niedrige Komplikationsrate im bundesweiten Vergleich. In den vergangenen elf Jahren lag der Anteil bleibender Stimmbandnervenstörungen bei lediglich 0,2 %.
Die Kontrolle der Stimmbandfunktion erfolgt zusätzlich am zweiten Tag nach der Operation durch eine externe, unabhängige HNO-ärztliche Untersuchung, die durch unser Zentrum organisiert wird.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem besonders schonenden Umgang mit den Nebenschilddrüsen. Ziel ist es, deren Funktion vollständig zu erhalten. In seltenen Fällen werden gleichzeitig krankhafte Veränderungen der Nebenschilddrüsen behandelt, insbesondere gutartige Überfunktionen. Die große operative Erfahrung im Erkennen und Schonen dieser Strukturen trägt ebenfalls zu sehr niedrigen Komplikationsraten bei: Auch Störungen der Nebenschilddrüsenfunktion treten in den letzten elf Jahren in nur 0,2 % der Fälle dauerhaft auf.
Begleitende medikamentöse Behandlung
Die medikamentöse Therapie begleitet die operative Behandlung in allen Phasen. Sie dient sowohl der Vorbereitung auf den Eingriff als auch der postoperativen Stabilisierung des Hormonhaushalts. Ziel ist eine optimale Einstellung der Schilddrüsenfunktion und eine sichere Nachsorge im weiteren Verlauf.
Gelegentlich ist vor der Operation und in einigen Fällen auch vorübergehend nach dem Eingriff eine höher dosierte Einnahme von Calcium und Vitamin D erforderlich. Nach einer vollständigen Entfernung der Schilddrüse können die Nebenschilddrüsen vorübergehend in ihrer Funktion beeinträchtigt sein. Diese Anpassungsstörung bildet sich in der Regel nahezu vollständig zurück.
Alle Befunde werden mit den Patientinnen und Patienten ausführlich besprochen, und die erforderlichen Maßnahmen werden verständlich erläutert.
Nach einer Teilentfernung oder vollständigen Entfernung der Schilddrüse ist zudem die Einnahme von Schilddrüsenhormonen in korrekter Form notwendig und empfehlenswert. Die Einnahme sollte mindestens eine halbe Stunde vor dem Frühstück erfolgen. Das zugeführte Hormon entspricht dabei vollständig dem körpereigenen Schilddrüsenhormon.
Die Einstellung beginnt bereits während des stationären Aufenthaltes und wird anschließend in enger Zusammenarbeit mit der Hausärztin oder dem Hausarzt weiter überwacht und angepasst. Auch dieser Schritt wird ausführlich mit den Patientinnen und Patienten besprochen.