Paderborn. Auf der neonatologischen Intensivstation der St. Louise Frauen- und Kinderklinik wurde bei vier Kindern das Bakterium Enterobacter nachgewiesen. Zwei der Kinder entwickelten eine schwere Sepsis. Eines der Frühgeborenen ist trotz intensivmedizinischer Behandlung an den Folgen verstorben. Ein weiteres Frühgeborenes befindet sich derzeit in einem kritischen Zustand. Bei zwei weiteren Kindern wurde der Erreger nachgewiesen, ohne dass sie aktuell entsprechende Krankheitssymptome zeigen.
„Der Tod des Kindes erschüttert uns sehr. Unsere Gedanken und unser tiefes Mitgefühl gelten den Eltern und Angehörigen. Gleichzeitig gilt unsere volle Aufmerksamkeit der Versorgung des erkrankten Kindes sowie der konsequenten Aufklärung und Eindämmung des Geschehens“, erklären die Geschäftsführer Markus Funk und Sr. Bernadette M. Putz.
Enterobacter-Bakterien sind Bestandteil der menschlichen Darmflora und kommen auch in der Umwelt vor, so dass Besiedlungen keine Seltenheit sind. Bei gesunden Menschen sind sie in der Regel ohne Krankheitswert. Bei Frühgeborenen und anderen besonders vulnerablen Patientinnen und Patienten können sie jedoch schwere Infektionen verursachen. Bei dem bislang nachgewiesenen Erreger handelt es sich nicht um einen multiresistenten Erreger.
Die Häufung wurde im Rahmen der regelmäßigen mikrobiologischen Screenings sowie der diagnostischen Untersuchungen erkannt. Unmittelbar danach wurden die Hygiene- und Schutzmaßnahmen auf der Station nochmals deutlich ausgeweitet. Dazu gehören unter anderem erweiterte mikrobiologische Untersuchungen der Kinder, zusätzliche Desinfektionsmaßnahmen, eine möglichst zimmergebundene Betreuung sowie umfangreiche Untersuchungen möglicher Quellen.
Die Ursache des Geschehens ist derzeit noch nicht abschließend geklärt. Da die betroffenen Kinder bei der Aufnahme zunächst negative Screeningbefunde aufwiesen und die Erregernachweise erst im weiteren Verlauf erfolgten, werden unterschiedliche Übertragungswege intensiv untersucht. Ob die bei den Kindern nachgewiesenen Bakterien genetisch übereinstimmen und auf eine gemeinsame Übertragungskette zurückgehen, soll durch weiterführende molekulargenetische Untersuchungen geklärt werden. Die entsprechenden Analysen sind bereits veranlasst.
Das zuständige Gesundheitsamt ist eingebunden. Alle weiteren Maßnahmen werden eng mit der Krankenhaushygiene, der Mikrobiologie und dem Gesundheitsamt abgestimmt.
Als zusätzliche Vorsichtsmaßnahme werden derzeit keine regulären Neuaufnahmen auf die neonatologische Intensivstation übernommen. Die notwendige Notfallversorgung bleibt sichergestellt, ebenso wie die sonstige Versorgung von Frauen und Kindern. Die Eltern der auf der Station behandelten Kinder wurden durch die behandelnden Ärztinnen und Ärzte persönlich informiert.
Die Sicherheit der uns anvertrauten Kinder hat höchste Priorität. Wir werden das Geschehen weiterhin engmaschig überwachen, die Ursachen konsequent aufklären und über wesentliche neue Erkenntnisse transparent informieren.