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St. Vincenz-Kliniken implantieren erstmals in Paderborn den nach Herstellerangaben weltweit kleinsten Herzschrittmacher für Patienten mit AV-Block
Kabelloses Micra™ AV-System erweitert die Behandlungsmöglichkeiten in der Herzrhythmustherapie
Die St. Vincenz-Kliniken haben im Juli 2026 als erstes Krankenhaus in Paderborn erfolgreich das Micra™ AV-System implantiert. Der nach Herstellerangaben weltweit kleinste Herzschrittmacher kommt vollständig ohne Elektroden aus und wurde speziell für die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit einem atrioventrikulären (AV-)Block entwickelt. Mit der Einführung des Systems erweitert die Klinik ihre Behandlungsmöglichkeiten in der modernen Herzrhythmustherapie und kann künftig auch ausgewählten Patientinnen und Patienten mit AV-Block eine kabellose Schrittmacherversorgung anbieten.
Die sogenannte Kardiokapsel ist nur etwa ein Zehntel so groß wie ein herkömmlicher Herzschrittmacher und wiegt weniger als zwei Gramm. Sie wird minimalinvasiv über die Leistenvene direkt in die rechte Herzkammer implantiert. Da weder Elektroden noch eine unter der Haut angelegte Schrittmachertasche erforderlich sind, bleibt das System von außen vollständig unsichtbar.
„Mit der Implantation des Micra™ AV-Systems erweitern wir unser therapeutisches Spektrum erheblich“, erklärt Prof. Dr. Andreas Götte, Chefarzt der Klinik für Kardiologie. „Bislang konnten wir die kabellose Kardiokapsel ausschließlich bei Patientinnen und Patienten einsetzen, bei denen eine Einkammer-Stimulation ausreichend war. Das neue System ermöglicht nun auch die Behandlung von Menschen mit AV-Block, bei denen das koordinierte Zusammenspiel von Vorhöfen und Herzkammern für eine normale Herzfunktion erhalten bleiben muss. Damit können wir deutlich mehr Patientinnen und Patienten von den Vorteilen einer kabellosen Schrittmachertherapie profitieren lassen.“
Den ersten Eingriff dieser Art führten Prof. Dr. Götte und die Leitende Oberärztin Dr. Brandner im Hybrid-Operationssaal der St. Vincenz-Kliniken durch. Die rund 50-minütige Implantation erfolgte minimalinvasiv über die rechte Leistenvene. Der Herzschrittmacher konnte erfolgreich positioniert werden und arbeitete unmittelbar nach der Implantation zuverlässig. „Die Implantation eines kabellosen AV-Schrittmachers ist technisch anspruchsvoll und erfordert eine sorgfältige Vorbereitung sowie große Erfahrung“, erläutert Dr. Brandner. „Der Eingriff verlief komplikationslos und das System funktionierte von Beginn an einwandfrei.“
Ein AV-Block ist eine Störung der elektrischen Reizleitung zwischen Vorhöfen und Herzkammern. Dadurch wird der Herzschlag verlangsamt oder unregelmäßig, was unter anderem Schwindel, Luftnot oder Ohnmachtsanfälle verursachen kann. Herzschrittmacher stellen die koordinierte elektrische Aktivität von Vorhöfen und Herzkammern wieder her und ermöglichen so einen möglichst natürlichen Herzrhythmus (AV-Synchronität). Dies kann die Herzleistung verbessern, Beschwerden lindern und die Lebensqualität der Betroffenen erhöhen.
Durch den Verzicht auf Elektroden und eine unter der Haut angelegte Schrittmachertasche kann das kabellose System bei geeigneten Patientinnen und Patienten zudem das Risiko bestimmter implantationsbedingter Komplikationen – etwa Elektrodenprobleme oder Tascheninfektionen – verringern. Gleichzeitig profitieren die Betroffenen von einem besonders kleinen und von außen nicht sichtbarem Implantat.
In Deutschland leben rund 500.000 Menschen mit einem Herzschrittmacher. Jährlich werden etwa 35.000 Patientinnen und Patienten aufgrund eines AV-Blocks mit einem Herzschrittmacher versorgt*. In den St. Vincenz-Kliniken werden jedes Jahr rund 700 Herzschrittmacher- und Defibrillatorimplantationen durchgeführt.
* Jahresbericht 2017 des Deutschen Herzschrittmacher- und Defibrillator-Registers
Bildunterschrift:
Abbildung weltweit kleinster Herzschrittmacher
St. Vincenz-Kliniken GmbH Am Busdorf 2 33098 Paderborn Tel.:+49 5251 86 0