Klinische Anästhesie

In unserer Abteilung werden jährlich über 15.000 Narkosen in insgesamt 15 Operationssälen an drei Betriebsstätten durchgeführt. Die Säle teilen sich wie folgt auf die Betriebsstätten auf:

St. Vincenz-Krankenhaus Paderborn

Sieben OP-Säle (Allgemein- und Viszeralchirurgie, Unfallchirurgie und Orthopädie, Gefäßchirurgie (inlusive Hybrid-OP in gemeinsamer Benutzung mit der Klinik für Kardiologie), Mund-/Kiefer-/Gesichtschirurgie)

Frauen- und Kinderklinik St. Louise Paderborn

Drei OP-Säle (Gynäkologie und Kreißsaal-OP)

St. Josefs-Krankenhaus Salzkotten

Fünf OP-Säle (Allgemeinchirurgie, Unfallchirurgie und Orthopädie, Gynäkologie und Geburtshilfe)

Operatives Spektrum

In der Allgemeinchirurgie reicht das Spektrum von oberflächlichen Excisionen, offene und laparoskopische Appendektomien/Cholezystektomien bis hin zu großen abdominalchirurgischen Eingriffen wie Gastrektomien, Whipple-Operationen, ausgedehnten Darmeingriffen, Zweihöhleneingriffen (Ösophaguschirurgie). Unfallchirurgisch werden osteosynthetische Frakturversorgung, Arthroskopien und orthopädischen Korrektureingriffe, sowie Endoprothetik im Bereich des Hüftgelenks und Wirbelsäulenchirurgie angeboten; zusätzlich besteht ein handchirurgischer Schwerpunkt. Im Bereich der Gefäßchirurgie liegen Schwerpunkte u.a. im Bereich der Carotischirurgie, Aortenaneurysma- und Bypasschirurgie, Shuntchirurgie, Varizenchirurgie, Behandlung des chronischen Ulcus cruris, Implantation von Portsystemen und Implantation von Herzschrittmachern sowie Defibrillatoren. Im Bereich der Kardiologie werden minimal-invasive Verfahren zur Mitralklappenrekonstruktion anästhesiologisch begleitet.

Zusätzlich bei Bedarf betreute anästhesiologische Sonderbereiche bilden vor allem der Schockraum der unfallchirurgischen Klinik sowie der medizinischen Klinik, seltener CT und MRT sowie Endoskopie.

Im Bereich der Gynäkologie (Standort Frauen- und Kinderklinik St. Louise, Paderborn) werden in zwei OP-Sälen Patienten für gynäkologisch-chirurgische Eingriffe betreut. Hier besteht ein Schwerpunkt in der Mamma-Chirurgie (zertifiziertes Brustzentrum), sowie in der Behandlung sämtlicher übriger gynäkologischer Tumore (Ovarial-Carcinom, Corpus- und Cervixcarcinom, Vaginalcarcinom). Ein weiterer Schwerpunkt besteht in der Geburtshilfe, hier werden pro Jahr ca. 1.800 Geburten betreut, ein OP im Kreißsaal-Bereich dient aufgrund der räumlichen Nähe zur (Not-)Sectio caesarea. Die Kliniken für Gynäkologie und Geburtshilfe und die Klinik für Pädiatrie sind als Perinatalzentrum (Level 1) ausgewiesen.

Ein Aufwachraum findet sich in allen Häusern in unmittelbarer Nähe zu den Operationssälen. Es wird für jeden Bettplatz das komplette Monitoring (invasive/noninvasive Blutdruckmessung, Sättigungskontrolle, EKG) sowie zusätzliche Sauerstoffzufuhr vorgehalten. Jeder Aufwachraum ist durchgehend mit mindestens einer Anästhesie- Fachpflegekraft besetzt, jeweils ein Anästhesist ist in Rufbereitschaft.  

Narkoseverfahren

Vollnarkose

Die meisten Vollnarkosen werden als balancierte Narkose mit intravenöser Einleitung und inhalativer Aufrechterhaltung durchgeführt. Als Narkosegas benutzen wir dabei fast ausschließlich Sevofluran, bei Bedarf mit Lachgas kombiniert. Bei verschiedenen Indikationen wie ausgeprägter postoperativer Übelkeit in der Anamnese, schwerer respiratorischer Insuffizienz oder Prädisposition zur malignen Hyperthermie werden Vollnarkose auch als so genannte TIVA (total intravenöse Anästhesie) konzipiert (Remifenanil + Propofol). Auch für Säuglings- und Kindernarkosen stehen oben genannte Verfahren zur Verfügung. Dank modernster Narkosegeräte sind auch längere maschinelle Beatmungszeiten möglichst lungenprotektiv möglich.

Regionalanästhesien

Spinalanästhesie

Bei Engriffen an den unteren Extremitäten (z.B. Arthroskopie des Kniegelenks) sowie im Bereich des Unterbauchs (z.B. Sectio cesarea) kommt die Spinalanästhesie zum Einsatz. Bei fehlenden Kontraindikationen wie z.B. der Einnahme von Gerinnungshemmern, Infektionen im Punktionsbereich, Koagulopathien, massive Deformation der Wirbelsäule oder neurologischen Erkrankungen im Bereich des Rückenmarks wird mit einer Pencil Point Nadel der Liquorraum punktiert und je nach Eingriffsart und –dauer eine entsprechende Menge Lokalanästhetikum appliziert. Hierbei kann sowohl die Substanz (Eingriffsdauer) als auch deren Barizität (Ausbreitungshöhe) variiert werden.

Periduralanästhesie

Im Gegensatz zur Spinalanästhesie wird bei der Periduralanästhesie der bindegewebige Raum im Wirbelkanal aufgesucht, der den Durasack nebst Rückenmark umgibt. Hier wird über eine Tuohy-Hohlnadel ein feiner Kunststoffkatheter platziert, über den ein Lokalanästhetikum entweder als Bolus oder kontinuierlich über eine Spritzenpumpe gegeben wird. Verbunden mit einem entsprechenden Perfusor mit Bolustaste ist so eine Patienten kontrollierte epidurale Schmerztherapie (PCEA) möglich. Einsatzgebiet dieser Technik sind zum einen die Geburtshilfe (PDA zur Geburtserleichterung / Sectio), zum anderen große abdominelle Eingriffe, hier vor allem zur postoperativen Schmerztherapie. Es finden sowohl lumbale und thorakale Zugänge Verwendung.

Nervennahe Regionalanästhesie

Hierbei kommen in unserer Abteilung sowohl Verfahren im Bereich der oberen Extremität zum Einsatz (Plexus-brachialis-Blockade je nach Indikation an allen gängigen Punktionsorten), als auch im Bereich der unteren Extremität (vorwiegend Ischiadicus- und N. femoralis-Blockade)
Die Lokalilastion des Nerven geschieht zunehmend per Sonographie wofür uns stets portable Geräte der Firma Sonosite zur Verfügung stehen.
Die Verfahren werden hierbei sowohl in Single-Shot-Technik als auch als Katheter-gestützte Analgesie eingesetzt.

Lokalanästhesie

Kleinere chirurgische Eingriffe können auch in Lokalanästhesie durchgeführt werden. Hierbei wird durch den Operateur ein Lokalanästhetikum fächerförmig um das Operationsgebiet gespritzt, so dass der folgende Eingriff schmerzfrei vorgenommen werden kann, z.B. ein Aggregatwechsel bei Patienten mit Herzschrittmacher. Bei schlechtem Allgemeinzustand des Patienten oder auf chirurgischen Wunsch hin ist ein/e Anästhesist/in bei dem Eingriff zugegen, um gegebenenfalls die Wirkung der Lokalanästhesie durch systemische Analgetika zu supplementieren oder eine Vollnarkose einleiten zu können (Stand-by).

Geräteausstattung

In den OP-Sälen befinden sich nahezu ausnahmlos mordernste Narkosegeräte der Zeus-Generation (Dräger). Auch erweitertes invasives Monitoring ist an jedem Arbeitsplatz möglich, wie z.B. invasive Blutdruckmessung, prozessierte EEG-Ableitung (BIS), Relaxometrie; jeweils integriert in das Dräger-Monitoring. Auch der Einsatz von PiCCO-Systemen ist möglich.

Des weiteren verfügen wir seit Längerem über portable Ultraschallsysteme, die zusätzliche Sicherheit sowohl beim Einsatz von Regionalanästhesie-Verfahren als auch bei der Anlage von vaskulären Zugängen bieten.

Insbesondere im unfall- und gefäßchirurgischen Bereich kommen Systeme zur maschinellen Autotransfusion zum Einsatz.

Leistungsdaten

An den Standorten in Paderborn werden regelhaft mehr als 10.000 anästhesiologische Leistungen erbracht, am Standort Salzkotten weitere 4.000. Eine detaillierte Aufstellung für das Jahr 2016 finden Sie hier für die Standorte in Paderborn sowie den Standort Salzkotten