Paderborn, 02.11.2011

Schlüssellochverfahren zur Behandlung des Kubitaltunnelsyndroms etabliert

Ausbau und Weiterentwicklung der Handchirurgie im Vincenz

Wenn man, häufig buchstäblich über Nacht, plötzlich ein Taubheitsgefühl im kleinen Finger und im Ringfinger verspürt und die Kraft der Hand nachlässt, lautet die Diagnose häufig Kubitaltunnelsyndrom: der Ellennerv ist eingeengt. Spätestens, wenn die beiden Finger nach und nach eine „Krallenstellung“ einnehmen, sollte über einen operativen Eingriff nachgedacht werden, um den Nerv aus seiner eingeengten Umgebung zu befreien. Denn unbehandelt führt das Syndrom mit der Zeit zu einem Muskelabbau an der Hand. Früher war die Behandlung des Kubitaltunnelsyndrom zwangsläufig mit einem großen chirurgischen Eingriff verbunden: ein Operationsschnitt zwischen 10 und 15 cm Länge, verbunden mit einem stationären Krankenhausaufenthalt.

Im Fachbereich Handchirurgie der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie des St. Vincenz-Krankenhauses wurde nun ein minimal-invasives Verfahren zur Behandlung des Kubitaltunnelsyndroms etabliert: die sogenannte endoskopische Dekompression des Nervus ulnaris (Ellennerv). Ein 3-4 cm langer Schnitt an der Innenseite des Ellenbogens ist für diesen ambulanten operativen Eingriff per „Schlüssellochverfahren“ ausreichend. Durch Kameratechnik und Bildschirm wird dem Handchirurgen das Operationsfeld vergrößert dargestellt, so dass er trotz des kleinen Schnitts einen vollen Einblick auf den Ellenbogen erhält. Im Zuge des Eingriffs wird der Nerv aus seiner einengenden bindegewebigen Hülle freigemacht („dekomprimiert“), so dass die Nervenleitung wieder ungestört funktionieren kann. Ein sehr patientenfreundliches und schonendes Verfahren, bei dem die Vorteile im wahrsten Sinne „auf der Hand“ liegen: eine ambulante Operation in örtlicher Betäubung, ein kleinerer Schnitt verbunden mit kürzerer Wundheilzeit und kleinerer Narbe. Zudem muss der Patient lediglich einige Tage einen Polsterverband am Ellenbogen tragen. Eine Oberarmgipsschiene, die den Arm vom Hand- bis zum Schultergelenk stilllegt, ist nicht mehr notwendig.

Ausbau der Handchirurgie

Seit Juli 2010 wird Felicitas Reinke, leitende Oberärztin der Handchirurgie, durch Oberarzt Dr. med. Stephan Blank verstärkt. Gemeinsam haben sich die beiden Ärzte für dieses neue Verfahren entschieden und führen die endoskopische Dekompression seit Anfang des Jahres im St. Vincenz-Krankenhaus durch. Doch nicht nur personell, sondern auch in räumlicher und technischer Hinsicht wurde die Handchirurgie im vergangenen Jahr kontinuierlich ausgebaut: So wurde neben einer Erweiterung des handchirurgischen Instrumentariums auch ein neues Mikroskop angeschafft. Zudem beinhaltet das im April 2011 neu eingeweihte Operationszentrum II einen Operationssaal, der täglich ausschließlich für handchirurgische Eingriffe zur Verfügung steht. Dies ermöglicht den Teams aus Hand- und Unfallchirurgie durch flexiblere OP-Planung und kürzere Wartezeiten einen optimierten Ablauf im Bereich der ambulanten Operationen.

Im Bild: Oberarzt Dr. Stephan Blank und Oberärztin Felicitas Reinke kontrollieren einen Tag nach dem Eingriff die kleine Operationsnarbe am Ellenbogen des Patienten und legen einen neuen Verband an.

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