Paderborn, 20. Juli 2012
Noch keine Entwarnung auf der Intensivstation
Weiterer Keimträger identifiziert • Weiterhin begrenzte Intensivkapazität
Auf der Intensivstation des St. Vincenz-Krankenhauses gelten auch weiterhin verschärfte Hygiene- und Isolierungsmaßnahmen. Wie berichtet, werden die mit dem Acinetobacter baumannii-Keim besiedelten Patienten streng von den nicht-betroffenen Patienten isoliert, woraus eine geringere Bettenkapazität der Intensivstation resultiert. Darüber hinaus werden alle Intensiv-Patienten mehrmals pro Woche auf den Keim getestet. Im Zuge dieser Screenings wurde am 18. Juli ein weiterer Patient als Keimträger identifiziert – er ist jedoch nicht daran erkrankt. Nach wie vor sind zwei Patienten mit dem Keim infiziert. Aufgrund ihrer schweren, intensivpflichtigen Grunderkrankung ist ihr Zustand weiterhin kritisch.
„Am Mittwoch haben wir uns erneut die Arbeitsabläufe auf der Intensivstation genauestens angeschaut und uns von den hohen Standards überzeugt“, berichtete Krankenhaushygieniker Dr. Armin Kuhlencord in einer Sitzung der erweiterten Hygienekommission, die am gestrigen Donnerstag unter Anwesenheit des Gesundheitsamtes stattfand. „Wir arbeiten konsequent daran, die Isolierungsmaßnahmen zusätzlich immer weiter auszubauen.“ So kommen bei der Patientenversorgung auf der Intensivstation wo immer möglich Einmalmaterialien zum Einsatz – zum Beispiel Nierenschalen aus Pappe und spezielle Einmalfeuchthandschuhe für das Waschen. „Darüber hinaus haben wir sowohl in dieser als auch in der nächsten Woche externe Hygieneexperten eingeladen, unter anderem vom Landeszentrum für Gesundheit,“ so Kuhlencord weiter. „Diese werden sich sowohl die Hygienestandards, als auch die ergriffenen Maßnahmen auf unserer Intensivstation nochmals genauestens ansehen und uns daraufhin beraten.“
Dass Ausbrüche des Acinetobacter baumannii-Keims in Krankenhäusern sehr schwer zu kontrollieren sind, zeigen die Erfahrungen aus anderen Kliniken: So waren in einem anderen Klinikum in NRW im Verlauf von acht Wochen insgesamt neun Patienten von dem Keim betroffen. Bei einem Ausbruch in Mecklenburg-Vorpommern waren es sieben Patienten im Verlauf von 20 Wochen. „Wir rechnen damit, dass uns dieses Problem mindestens so lange begleiten wird, wie wir besiedelte Patienten auf unserer Intensivstation versorgen“, prognostiziert PD Dr. Wolfgang Krings, Ärztlicher Direktor des St. Vincenz-Krankenhauses. „Was wir derzeit erleben, ist leider ein typischer Verlauf, der sich sicherlich noch über Wochen hin ziehen wird.“ Er wies in diesem Zusammenhang nochmals darauf hin, dass der Acinetobacter baumannii-Keim für Menschen, die ausschließlich davon besiedelt sind, nicht gefährlich ist. Unter www.vincenz.de hat das Krankenhaus auf seiner Homepage eine Broschüre veröffentlicht, in der sich Betroffene und Angehörige über einen sicheren Umgang mit dem Keim informieren können.
Hintergrundinformationen:
Eine Besiedlung mit einem multiresistenten Erreger wie dem Acinetobacter baumannii-Keim ist zunächst nicht gefährlich, auch nicht für schwangere Frauen. Wird jedoch das Immunsystem eines Patienten durch eine Krankheit geschwächt oder werden die Keime auf stark immungeschwächte Menschen übertragen, kann eine Infektionserkrankung entstehen, die unter Umständen lebensbedrohlich werden kann. Insbesondere bei Patienten auf der Intensivstation bedeutet eine Infektion daher eine Gefahr.
Eine Herausforderung stellt die Behandlung betroffener Patienten dar. Denn da multiresistente Erreger gegen viele Antibiotika unempfindlich sind, sind sie nur schwer zu bekämpfen. Insbesondere bei diesem nachgewiesenen Acinetobacter baumannii-Keim gibt es nur sehr wenige Therapieoptionen. Durch eine unkritische Gabe von Antibiotika in den letzten Jahrzehnten haben diese Keime Resistenzen gegen viele Wirkstoffe entwickelt.
